Gwunderis Elternhaus war der neuste und grösste von 3 Teilen eines kleinen Flarzes im Dörfli. Den ältesten Teil nannte man den „Löter“, weil der frühere Bewohner im Pfannenflicken bewandert war. Dazwischen eingezwängt war ein schmaler, niedriger Hausteil den man, um Gwunderis Familie zu ärgern, an die Wehrlis, eine 5köpfige Familie, vermietet hatte. Der Wehrli fuhr mit seinem Auto über den Vorplatz von Gwunderis Familie, obwohl da kein befahrbarer Weg und auch kein Parkplatz war. Man beschwerte sich indem man mit Brennholz den Weg versperrte, welches der Wehrli dann einfach überfuhr.
Weil es im Dorf sonst nur Buben gab, war aber das kleinen Vreneli von den Wehrlis für Gwunderi sehr interessant und als er es einmal beim verusse Bisle beobachtet hatte, war er sehr verwirrt und dachte die bösen Wehrlis hätten dem Vreneli das Schnäbeli abgeschnitten.
Als die Wehrlis, nach aufregenden Grabenkämpfen, wieder ausgezogen waren, wohnte der Hinterbergöttel, erst mit seiner Familie und dann, nachdem die Frau und der Sohn mit dem Töffli ihn verlassen hatten, allein in der engen dunklen Wohnung. Im Erdgeschoss war ein langer Gang, eine Küche und die kleine Stube mit Kachelofen. Im oberen Stock waren zwei Kammern. Es hiess, der Hinterbergöttel sei in der Fremdenlegion gewesen. Man konnte das auch daran erkennen, dass er manchmal mit rollenden Augen das Wort „Buurrmaa“ neben dem stinkenden Toscani-Stumpen durchquetschte.
Manchmal winkte er Gwunderi mit einer Münze in der Hand heran und sagte: „Hol mer en Moscht“. Gwunderis Grossmutter hatte gleich nebenan ein kleines SHG-Lädeli, in welchem es alles gab, was im kleinen Dörfli gebraucht wurde. Also auch den Sauren Most, der dem Hinderbergöttel in seinem dunklen Loch den noch dunkleren Legionärs-Erinnerungen vielleicht etwas Licht verleihen konnte.
Die Schule in der Cholwies war aus und die Grossen vom Furershus, die mit dem Velo kommen durften, weil ihr Schulweg länger war als einen Kilometer, liessen den Gwunderi auf dem Packträger mitfahren. Am Tannenböhl oben war der Hinderbergöttel am Chrishacke. Die Grossen riefen hinauf „Hinderbergöttel, Hinderbergöttel, Hinderbergöttel“. Der hörte das und rannte, der Hund laut bellend voraus, mit dem Hackmesser wild fuchtelnd und fluchend den Hang herab. Gwunderi bekam eine Riesen-Angst im Bauch und hatte in dieser Nacht schreckliche Albträume. Am nächsten Tag war der kleine Bub dann glücklicherweise dermassen krank, dass er den – nun plötzlich so gefährlichen – Schulweg nicht unter die Füsse zu nehmen brauchte. Seither studiert Gwunderi ganz genau, bei wem er auf den Packträger sitzt.